Integrität des Fußballs schützen

Der Strategische Beirat für Berufsfußball hat ein gemeinsames Positionspapier zum Schutz der Integrität des Fußballs und Bekämpfung von Spielmanipulationen verabschiedet.

The UEFA Emergency Panel has taken a decision concerning FC Anji Makhachkala
The UEFA Emergency Panel has taken a decision concerning FC Anji Makhachkala ©UEFA.com

Bei seiner heutigen Sitzung in Sofia/Bulgarien verabschiedete der aus Vertretern der Nationalverbände (UEFA), Vereine (ECA), Ligen (EPFL) und Spielergewerkschaften (FIFPro Division Europe) bestehende Strategische Beirat für Berufsfußball einstimmig ein gemeinsames Positionspapier, das einen konkreten Aktionsplan für den Schutz der Integrität des Fußballs und zur Bekämpfung von Spielmanipulationen enthält. Das Positionspapier wurde heute in Sofia auch vom UEFA-Exekutivkomitee genehmigt.

Die europäische Fußballfamilie hat beschlossen, der Bedrohung durch Spielmanipulationen geschlossen entgegenzutreten. Sie betrachtet solche Machenschaften im europäischen Fußball als eine Bedrohung globalen Ausmaßes, die eine Herausforderung für die gesamte Sportwelt darstellt.

In diesem Sinne hat die europäische Fußballfamilie einen gemeinsamen Aktionsplan erarbeitet, der eine Reihe konkreter Maßnahmen in den Bereichen Sensibilisierung, Prävention, Überwachung und Disziplinarstrafen zum Schutz der Integrität des europäischen Fußballs beinhaltet.

Die Bekämpfung von Spielmanipulationen hat für alle Akteure höchste Priorität und untermauert ihre Null-Toleranz-Politik hinsichtlich dieser Thematik. ECA, EPFL, FIFPro Division Europe und UEFA planen auch die Einführung eines gemeinsamen Verhaltenskodex zum Schutz der Integrität des Fußballs, der für alle Akteure des europäischen Fußballs, einschließlich Spielern, Trainern, Schiedsrichtern, Offiziellen und Funktionären, gelten soll.

Alle vier Organisationen sind jedoch der Auffassung, dass den Sportverbänden die Mittel und die rechtliche Kompetenz fehlen, um Spielmanipulationen, hinter denen oft kriminelle Organisationen stecken, selbst zu bekämpfen. Der Straftatbestand „Sportbetrug“ sollte daher in den nationalen Gesetzgebungen aller europäischen Länder verankert werden; dies würde eine einheitliche, wirkungsvolle und koordinierte Abschreckung gegen Spielmanipulationen darstellen. Gleichzeitig sollten die europäischen Staaten die Schaffung einer Strafverfolgungsbehörde ins Auge fassen, die sich schwerpunktmäßig mit Sportbetrugsfällen auseinandersetzt.

Ein enger Informationsaustausch zwischen Polizei-, Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden, Sportverbänden sowie Wettanbietern ist dabei unerlässlich. Eine solche Zusammenarbeit würde den Sportverbänden die disziplinarrechtliche Strafverfolgung erleichtern, und gleichzeitig könnten die staatlichen Behörden bei ihren Ermittlungen vom Wissen der Sportverbände profitieren.

Ein weiterer bedeutender Beitrag zum Kampf für die Integrität des Sports ist die Anerkennung der Rechte von Sportveranstaltern im Zusammenhang mit Wetten. Sie würde eine faire finanzielle Gegenleistung nach sich ziehen, welche die Sportverbände und ihre Mitglieder wiederum in weitere Maßnahmen zum Schutz der Integrität des Fußballs investieren könnten.

Schließlich sollte der Europarat dazu ermutigt werden, unter Einbindung aller Interessenträger des Fußballs eine internationale Konvention zu Spielmanipulationen zu verabschieden.

Der Aktionsplan ist im Folgenden aufgeführt. Das gesamte Positionspapier kann hier heruntergeladen werden.

Gemeinsamer Aktionsplan für die Integrität des Fußballs
(zur vollständigen Umsetzung ab 2013)

I. Verhaltenskodex
• Erarbeitung und Umsetzung eines gemeinsamen Verhaltenskodex für alle Akteure des europäischen Fußballs, einschließlich Spielern, Trainern, Schiedsrichtern, Offiziellen und Funktionären
• Einführung von Bestimmungen, die es Spielern, Trainern, Schiedsrichtern und Funktionären gemäß Vorgabe der betreffenden Wettbewerbsveranstalter mindestens verbieten, auf Spiele und/oder Wettbewerbe zu wetten, an denen sie beteiligt sind
• Einführung von Meldesystemen („Whistleblowing“) in allen Fußballorganisationen
• Aufnahme entsprechender Bestimmungen zu Spielmanipulationen in Spielerverträge

II. Sensibilisierungs- und Präventionsprogramme
• Sensibilisierungsveranstaltungen bei Schiedsrichterkursen und UEFA-Juniorenwettbewerben (für Spieler, Trainer und Schiedsrichter)
• FIFPro-Projekt „Show respect – don’t fix it!“ – unterstützt von der Europäischen Union
• EPFL-Projekt „Staying onside“ in Zusammenarbeit mit der DFL und Transparency International – unterstützt von der Europäischen Union
• Präventionsprogramme der Nationalverbände auf nationaler Ebene
• Weitere Sensibilisierungsprogramme auf Vereinsebene durch ECA und EPFL

III. Systeme zur Aufdeckung und Meldung betrügerischer Wettaktivitäten
• Fortlaufende Überwachung der europäischen Wettbewerbe sowie der Spiele der beiden höchsten Ligen und der Pokalwettbewerbe aller 53 UEFA-Mitgliedsverbände
• Fortlaufende Überwachung der nationalen Wettbewerbe durch die nationalen Fußballverbände
• Schaffung eines vertraulichen, vertrauenswürdigen und von allen Akteuren unterstützten Meldesystems

IV. Koordination und Kooperation durch ein Netzwerk von Integritätsbeauftragten und anderer auf nationaler Ebene für Integritätsfragen zuständiger Personen
• Integritätsbeauftragte in allen Nationalverbänden
• Offizielle Kontaktpersonen in allen Profifußballligen, Profiklubs und Spielergewerkschaften
• Austausch bewährter Praktiken in der Weitergabe von Informationen im Bereich Wetten, unter anderem durch regelmäßige Konferenzen und Workshops, die den Experten der Fußballverbände, den öffentlichen Behörden und der Polizei zur gegenseitigen Kontaktpflege dienen

V. Ermittlung und Verfolgung
• Null-Toleranz-Politik gegenüber Spielmanipulationen
• Aktive Zusammenarbeit mit öffentlichen Behörden
• Gemeinsame Definition von „Sportbetrug“ als Straftatbestand
• Harmonisierung von disziplinar- und sportrechtlichen Sanktionen auf europäischer und nationaler Ebene

VI. Beitrag der Wettbranche
• Recht der Sportveranstalter auf eine faire Gegenleistung im Zusammenhang mit Sportwetten als Vergütung für die wirtschaftliche Nutzung der Rechte von Wettbewerbsveranstaltern durch die Wettbranche
• Vertragliche Vereinbarungen mit Wettanbietern, unter anderem über die Art der erlaubten Wetten
• Verbot von Wetten auf Juniorenwettbewerbe auf nationaler und europäischer Ebene
• Verwendung der Einnahmen für den Schutz der Integrität des Sports sowie für die Unterstützung des Breitensports, der Nachwuchsförderung und von Aktivitäten im Bereich soziale Verantwortung
• Einführung von Standards, die Wettanbieter einhalten müssen, in Zusammenarbeit mit Sportverbänden