Vermächtnis mit vielen Nutznießern

Das Nachhaltigkeitsprojekt der UEFA EURO 2016, in dessen Rahmen allen zehn Austragungsstädten EUR 2 Mio. für fußballerische Infrastrukturprojekte bereitgestellt wurden, hat in Frankreich bleibende Spuren hinterlassen.

Saint-Joseph konnte einen neuen Platz bauen
Saint-Joseph konnte einen neuen Platz bauen ©Saint-Etienne Métropole

Das Nachhaltigkeitsprojekt der UEFA EURO 2016, in dessen Rahmen allen zehn Austragungsstädten EUR 2 Mio. für fußballerische Infrastrukturprojekte bereitgestellt wurden, hat in Frankreich bleibende Spuren hinterlassen. Nicht zuletzt in Saint-Étienne, wo 18 Projekte zugunsten von 24 Gemeinden verwirklicht wurden.

Die EURO 2016 ist zwar bereits seit neun Monaten vorbei, doch in den zehn Austragungsstädten wirkt sie dauerhaft nach. Ein Beispiel dafür ist Saint-Étienne, das sich für die Verwendung seines Anteils an den für Infrastrukturprojekte vorgesehenen EUR 20 Mio. etwas Besonderes hat einfallen lassen. Die Mittel wurden mit dem Ziel investiert, das fußballerische Angebot in der Stadt und ihrer Agglomeration auszubauen und die Teilnahme in den Vereinen zu fördern. Zudem wurde eine Budgetobergrenze von EUR 170 000 für neue Einrichtungen bzw. EUR 68 000 für Renovierungsprojekte festgelegt. Dabei wurde darauf geachtet, dass neu errichtete Spielfelder die für die Austragung von Wettbewerben erforderliche Standardgröße aufweisen.

Jean-Jacques Fradin, Sportbeauftragter von Saint-Étienne, erklärt die bei der Projektvergabe angewandten Regeln: „Anstelle einer großen Investition von EUR 2 Mio. an einem einzigen Ort wollten wir, dass möglichst viele unserer 45 Gemeinden zum Zuge kommen. Die EURO 2016 sollte also auf unserem gesamten Gebiet mit 400 000 Einwohnern eine nachhaltige Wirkung hinterlassen. Die EUR 2 Mio. haben Folgeinvestitionen von insgesamt EUR 12 Mio. nach sich gezogen, was gemessen an unserer Bevölkerungszahl ein enormer Betrag ist.“

Dank diesen Einrichtungen, die von den Gemeinden verwaltet werden, finden Amateursportler wesentlich bessere Bedingungen vor, nicht zuletzt was den Fußball anbelangt: „In Saint-Étienne mit seinen 170 000 Einwohnern haben wir in ein Spielfeld investiert, das jedermann zugänglich ist. In den anderen Gemeinden, die in der Regel weniger als 10 000 Einwohner zählen, haben wir den Fokus hingegen auf die lizenzierten Spieler gelegt. Dort können fortan auf allen renovierten Spielfeldern offizielle Wettbewerbsspiele stattfinden“, erklärt Roland Goujon, der für Sport zuständige Vizepräsident von Saint-Étienne. „Wir wollten nicht alle Mittel am selben Ort einsetzen, sondern sie auf 18 Stadien in 24 Gemeinden verteilen. Dadurch machen sich die Investitionen stärker auf lokaler Ebene bemerkbar. In einer Region wie der unsrigen mit ihrer großen Fußballtradition konnten so zahlreiche Aktive in den Vereinen profitieren. Einige Spielfelder waren Schotterplätze oder hatten sehr alte Rasenbeläge. Durch die vorgenommenen Arbeiten haben sich die Trainings- und Spielbedingungen verbessert, wodurch wiederum die Zahl der lizenzierten Spieler gestiegen ist.“

Der Kälte trotzen
Ein Beispiel ist der FC Roche-Saint-Genest, ein fusionierter Verein aus den Gemeinden Roche-la-Molière (10 000 Einwohner) und Saint-Genest-d’Erlept (6 000 Einwohner). Die beiden Dörfer liegen keine 10 Kilometer vom Stadtzentrum von Saint-Étienne entfernt, sind jedoch ländlich geprägt. Auf einer Meereshöhe von 500 Metern mit Temperaturen um 10°C im Winter gestaltet sich das Fußballspielen schwierig. So wurde der alte Schotterplatz durch ein Kunstrasenfeld der neusten Generation mitsamt Flutlichtanlage ersetzt.

Für Vereinspräsident Stéphane Kunz gehören die alten Probleme damit der Vergangenheit an: „Unsere Naturrasenfelder stellten uns vor Schwierigkeiten, da wir auf Geheiß der Behörden schonend damit umgehen mussten. Je nach Jahreszeit konnten wir auf einem Feld drei Wettbewerbsspiele pro Woche austragen, je eines am Samstag, Sonntagvormittag und Sonntagnachmittag – im Winter kam es vor, dass Spielfelder nur einmal pro Woche bespielbar waren, und manchmal überhaupt nicht! So haben wir den alten, 100 x 60 m großen Schotterplatz, der im Winter unbespielbar wenn nicht sogar gefährlich war, durch einen 105 x 68 m großen Kunstrasen ersetzt. In der Winterzeit eröffnen sich dadurch für unsere Trainings und Spiele ganz neue Möglichkeiten. Solange auf diesem Kunstrasen kein gefrorener Schnee liegt, ist er jederzeit bespielbar.“

Bei der Hälfte der 18 begünstigten Klubs ist die Zahl der lizenzierten Spieler stark angestiegen, und auch bei den anderen haben sich die Trainingsbedingungen für sämtliche Alterskategorien wesentlich verbessert: „Für die kleinen Gemeinden mit Schotterplätzen ist die Verbesserung der Fußballinfrastruktur eine großartige Sache, nicht nur für die erste Mannschaft, sondern auch für die Juniorinnen- und Juniorenteams“, so Roland Goujon.

Vereinspräsident Stéphane Kunz fasst zusammen: „Dank dieser nachhaltigen Investition konnten wir Qualität und Frequenz unseres Trainingsbetriebs steigern. Darüber hinaus wird unser Verein viel positiver wahrgenommen, sowohl von unseren 500 Lizenzierten als auch von den Familien. Am wichtigsten ist aber vielleicht die Tatsache, dass wir für mögliche Neuzugänge attraktiver geworden sind, seien es Spieler oder Trainer. Das ist in jeder Hinsicht ein großes Plus.“

Aus zwei mach zwölf Millionen
Die 18 durch den Infrastrukturfonds finanzierten Projekte verteilen sich auf die gesamte Agglomeration von Saint-Étienne und fördern das fußballerische Angebot in der Region.

1. Cellieu Chagnon – Renovierung

2. Fraisses – Renovierung

3. Roche-la-Molière – Bau

4. Le Chambon-Feugerolles – Renovierung

5. Lorette – Bau

6. L’Étrat/La Tour-en-Jarez – Renovierung

7. Saint-Priest-en-Jarez – Renovierung

8. Saint-Héand – Renovierung

9. Firminy – Bau

10. Génilac – Bau

11. Andrézieux-Bouthéon – Bau

12. Saint-Joseph/Saint-Martin-la-Plaine – Bau

13. Saint-Christo-en-Jarez – Bau

14. Saint-Étienne – Etivallière – Renovierung

15. Saint-Étienne – Etivallière – Bau

16. Saint-Victor-sur-Loire – Bau

17. Rive-de-Gier – Renovierung

18. La Fouillouse - Renovierung

Dieser Artikel erschien ursprünglich in UEFA Direct Nr. 167.