Aleksander Čeferin über Herausforderungen und Veränderungen

Bei seinem Besuch in Portugal hat UEFA-Präsident Aleksander Čeferin Visionen und Ideen präsentiert, um die UEFA und den europäischen Fußball in eine positive Zukunft zu steuern.

©FPF/Diogo Pinto

Herausforderungen und Gelegenheiten in einer sich ständig verändernden Welt gilt es zu ergreifen. So kann man das Wohlergehen des europäischen Fußballs und ausgeglichene Stärkeverhältnisse sichern, gleichzeitig wird die Teilnahme erhöht. Über diese Visionen sprach UEFA-Präsident Aleksander Čeferin im Rahmen seines zweitägigen Besuchs in Portugal.

Aleksander Čeferin nahm an dem Kongress "Football Talks" teil, der vom Portugiesischen Fußballverband (FPF) organisiert wurde, anschließend besuchte er das neue Verbandszentrum Cidade do Futebol (Stadt des Fußballs), welches mit finanzieller Hilfe der UEFA letztes Jahr in der Nähe von Lissabon eröffnet wurde.

In seiner Ansprache vor führenden Interessensvertretern und Experten des europäischen Fußballs erklärte der UEFA-Präsident, dass der Fußball gerade "eine Phase des faszinierenden Wandels" durchmache.

"Das Spiel ist global geworden", sagte er. "Außerdem führen neue Technologien zu neuen Arten des Konsums."

Dies führt dazu, so Aleksander Čeferin, dass Fans neue Mittel erhalten, um an dem Erlebnis Fußball teilzuhaben und dieses zu teilen. "Einst war der Fußball eine eindimensionale Erfahrung, jetzt können wir mehrere Schichten und Dimensionen anbieten, um die Fans mit ins Spiel einzubinden. Wir können aktiv daran teilhaben wie nie zuvor."

"Wir sollten uns Silicon Valley annähern und die Strategien der großen Firmen verstehen, die sich mit Technologie und Innovation beschäftigen", fügte er hinzu. "Wir dürfen davor keine Angst haben, oder daran scheitern, sie zu verstehen. Sie müssen unsere Verbündete sein, denn sie sind bereits die Verbündeten unserer Kinder."

"Die UEFA hat den großartigsten Fußball der Erde. Warum sollten wir es nicht allen erlauben, das Maximum aus diesem Erlebnis herausholen zu können? Wir können unsere Fans mit ins Spiel einbinden."

Fußballexperten und Interessensvertreter aus ganz Europa nahmen am Kongress in Estoril teil
Fußballexperten und Interessensvertreter aus ganz Europa nahmen am Kongress in Estoril teil©FPF/Diogo Pinto

Eine weitere wichtige Zukunftsaufgabe der UEFA sei es, Themen wie Ausgeglichenheit innerhalb der europäischen Klubwettbewerbe und ausstrahlende Nebeneffekte auf nationale Wettbewerbe zu adressieren.

"Die UEFA möchte sicherstellen, dass sie lebhafte und ausgeglichene Europapokal-Wettbewerbe anbietet, an denen alle Gefallen finden", erklärte der UEFA-Präsident, "mit möglichst minimalen negativen externen Effekten für kleine Vereine und nationale Ligen."

"Wir können nicht erlauben, dass die Stärke Einzelner andere in den Schatten stellt und übertönt. Wenn wir zulassen, dass die Abstände zu groß werden, vernachlässigen wir diejenigen, die keine Möglichkeiten haben."

Anschließend wendete sich der UEFA-Präsident den verschiedenen Problemen zu, welche die Stabilität und Sicherheit des Fußballs gefährden. "Doping, Spielmanipulation, Gewalt und Korruption. Wir wissen alle, dass diese Übel eine Bedrohung für unseren Fußball darstellen."

"Es mag kein Wundermittel geben, um diese Probleme zu lösen, aber wir müssen härter daran arbeiten. Deshalb haben wir eine ganz neue Abteilung mit dem Namen 'Protection of the Game' (Schutz des Spiels) erschaffen. Die Mitarbeiter dieser Abteilung haben ausschließlich die Aufgabe, gegen Doping, Spielmanipulation, Gewalt und Korruption anzukämpfen."

Aleksander Čeferin bekräftigte UEFAs Reformvorschläge, über die Europas Nationalverbände nächsten Monat beim UEFA-Kongress in Helsinki abstimmen werden.

Er fügte an, dass in Skandale und Korruptionsvorfälle verwickelte Politiker das Image der Politik beschädigt hätten. "Dies kann auch im Fußball passieren. Wenn wir als Verantwortungsträger im Fußball nicht mit gutem Beispiel voran gehen, werden die Fans eines Tages genug haben und sich vom Fußball abwenden."

"Ich bin überzeugt, dass die Good-Governance-Reformvorschläge zu einem stärkeren und noch transparenteren Dachverband zum Wohle des europäischen Fußballs führen werden."

Aleksander Čeferin unterstrich, warum die UEFA in der Pflicht steht, den Fußball auf allen Ebenen zu beschützen. "In ihrer Geschichte wurde die UEFA immer als Beschützer des Spiels wahrgenommen, mit einer starken Betonung auf Entwicklung, Fairness und Zugänglichkeit."

"Die UEFA hat außerdem eine Verpflichtung gegenüber allen Interessensvertretern des Fußballs. Die UEFA sollte nicht nur ihren Mitgliedsverbänden helfen, sondern auch den Ligen, Klubs, Spielern und Fans, die alle Mitglieder der Fußballgemeinde sind."

"Wir wollen diejenigen sein, die mit Technologie und Globalisierung vorangehen und Neuerungen einbringen, damit der Fußball allen offen steht. Wir müssen Investitionen im Frauen- und Junioren-Fußball anregen und dafür Anreize bieten. Wenn es Hindernisse gibt, die zu einer Einschränkung oder Verhinderung von Teilnahme am Fußball führen, müssen wir diese abbauen."

Aleksander Čeferin forderte die Fußballgemeinde dazu auf, sich den Gefahren zu stellen und Herausforderungen sowie Möglichkeiten zu nutzen, um positive Wirkungen zu erzielen. "Wenn wir erkennen, dass die Gefahren in Wirklichkeit Herausforderungen sind, und dass Herausforderungen auch Gelegenheiten darstellen, dann steht der europäische Fußball vor einer rosigen Zukunft."

Während seines Besuchs in Portugals Cidade do Futebol betonte Aleksander Čeferin, wie beeindruckt er von dem im März 2016 eröffneten Zentrum sei, welches mit finanziellen Hilfen des UEFA-HatTrick-Unterstützungsprogramms gebaut wurde. Außerdem beglückwünschte er Portugal zum Gewinn der UEFA EURO 2016 in Frankreich letzten Sommer.

"Es war ein außergewöhnlicher und unerwarteter Triumph. Ich denke, es war sehr wichtig für den portugiesischen Fußball, eine EURO zu gewinnen."

Aleksander Čeferin mit FPF-Präsident Fernando Gomes in der Cidade do Futebol
Aleksander Čeferin mit FPF-Präsident Fernando Gomes in der Cidade do Futebol©FPF/Diogo Pinto