"Fürchten wir uns nicht" - Aleksander Čeferin

In seiner Rede auf dem 41. Ordentlichen UEFA-Kongress in Helsinki unterstrich UEFA-Präsident Aleksander Čeferin die Kraft des Fußballs, Menschen zusammenzubringen. Die UEFA müsse Mut zeigen, um die Werte des Sports zu verteidigen.

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"Fürchten wir uns nicht", das ist der Leitsatz, mit dem UEFA-Präsident Aleksander Čeferin die UEFA und den europäischen Fußball in eine schöne und viel versprechende Zukunft führen will.

Auf dem 41. UEFA-Kongress am Mittwoch in Helsinki versprach Aleksander Čeferin, dass er und die UEFA mutige und totale Entschlossenheit zeigen werden, um den Fußball an die sich stets entwickelnde Welt anzupassen. Er unterstrich die Mission der UEFA, den Fußball auf diesem Kontinent wachsen und gedeihen zu lassen.

"Das ist unsere Verantwortung als Führungskräfte", sagte er gegenüber den Vertretern der 55 Mitgliedsverbände und den prominenten Gästen. "Haben wir den Mut, für unsere Überzeugungen, unsere Werte und unsere Leidenschaft einzustehen."

"Fußball ist schön. Haben wir den Mut, ihn gemeinsam zu schützen. Haben wir den Mut, für die gerechte Sache zu kämpfen." 

Der UEFA-Präsident unterstrich, dass die Organisation keine Angst vor Änderungen oder Reformen zeigen dürfe, während die Entscheidungen der Vergangenheit und die Traditionen respektiert werden müssten.

"Wie auf dem Platz wird unser Erfolgsrezept lauten: Effizienz, Einfachheit und ein Schuss Kreativität. Keine leeren Versprechungen, keine leeren Worte, keine Skandale. Stattdessen Demut, Respekt und Professionalität."

Aleksander Čeferin sagte, dass der richtige Moment gekommen sei, die Zukunft des europäischen Fußballs zu gestalten. Gemeinsam werden wir eine strategische Vision für den europäischen Fußball entwickeln", sagte er zu den Verbandsvertretern. "Wir werden sehr bald mit den Gesprächen beginnen, sodass wir gemeinsam den Fußball von morgen entwerfen können. Wir werden uns die Zeit nehmen, die nötig ist. Im Mittelpunkt dieser Vision werden Ihre Ideen, Projekte, Hoffnungen und Wünsche sowie diejenigen der Vereine, Spieler und Fans stehen."

"Es geht nicht darum, auf den Fußball von heute zu blicken und zu fragen: 'Warum?' Es geht darum, sich den Fußball von morgen zu erträumen und zu fragen: 'Warum nicht?'" 

Die Good Governance-Reformen der UEFA waren ein Ausgangspunkt des Prozesses -"eine grundlegende Überprüfung unseres Fundaments", wie der UEFA-Präsident sagte. "[Aber] diese Veränderungen sind von wesentlicher Bedeutung, wenn wir unser Image aufpolieren, unsere Glaubwürdigkeit wieder herstellen und unsere Legitimität stärken wollen."

Zu den Beziehungen der UEFA zu den verschiedenen Interessensvertretern des Fußballs sagte Aleksander Čeferin, dass die europäischen Ligen, die Klubs und die Spieler nie als Feinde gesehen werden sollten. "Das sind unsere Partner, die wir respektieren müssen", forderte er.

Gleichzeitig verwarf er die Möglichkeit einer geschlossenen europäischen Liga: "Das ist nicht mit unseren Werten und Idealen vereinbar. So einfach ist das. Weil nicht das Geld regiert." Aleksander Čeferin versprach regelmäßige Dialoge mit den europäischen Klubs und Ligen, um gemeinsame Lösungen für Probleme beider Seiten zu finden.

Der UEFA-Präsident sagte, dass die kontinuierliche Entwicklung der Maßnahmen im Rahmen des Finanziellen Fairplays ein Schlüsselelement der UEFA-Mission für stabile Finanzen bei den europäischen Klubs bleibe. "Das Finanzielle Fairplay hat großartige Resultate gezeigt, was die Reduzierung der Vereinsschulden betrifft", erklärte er, und er fügte hinzu, dass dies nicht als Austeritätsmaßnahme verstanden werden darf.

"Es muss daneben auch ein Hilfsinstrument darstellen, das auf mehr Gerechtigkeit und Stabilität, aber auch auf mehr Investitionen abzielt." Geplante neue Maßnahmen sollten diesen Weg fortsetzen und gleichzeitig dazu beitragen, den europäischen Fußballsektor neu zu beleben.

Zusätzlich zum Finanziellen Fairplay, so unterstrich Aleksander Čeferin, wird die UEFA weiterhin Vorreiter sein im Kampf, "um all der Übel Herr zu werden, die unseren Sport bedrohen: Gewalt, Doping, Korruption, Spielmanipulation, schlechtes Finanzgebaren der Klubs, sowie Verstöße gegen ethische und disziplinarische Regeln." Er fügte hinzu, dass die UEFA ihre Strukturen verstärkt hat und in ihrer Verwaltung in Nyon eine neue Fußballeinheit zum Schutze des Fußballs geschaffen hat.

Einen besonderen Fokus wird auf das gerichtet, was der UEFA-Präsident als soziales Fairplay bezeichnet. "Der Begriff umfasst alles, was wir tun können, um einen faireren, ethischeren Fußball zu schaffen. "Dies beinhaltet unter anderem den Schutz von Kindern und die Einhaltung von Menschenrechten und Rechten von Arbeitern als Bedingung in unseren Bewerbungsanforderungen."

"Eine Organisation des sozialen Fairplays zu sein, bedeutet auch, keinen Rassismus zu tolerieren", unterstrich er. "Ebenso wenig wie Sexismus. Oder Homophobie. Oder Diskriminierung von behinderten Menschen."

Aleksander Čeferin nannte Beispiele, um dies zu betonen. "Wir können nicht für Vielfalt, Gleichberechtigung und soziale Inklusion werben und gleichzeitig Aussagen und Verhaltensweisen aus einer anderen Epoche tolerieren."

Er verkündete, dass die UEFA für den gegenwärtigen Zyklus jedem der Mitgliedsverbände eine zusätzliche Solidaritätszahlung in Höhe von einer Million Euro überweisen wird. Dies sei ein Ergebnis des exzellenten finanziellen Ergebnisses der Nationalmannschaftswettbewerbe wie der UEFA EURO 2016. Aleksander Čeferin sagte, dass es solche Ausschüttungen auch in Zukunft geben werde.

"Die UEFA ist nicht dazu da, Reichtümer anzuhäufen", erklärte er, "während die Verbände Schwierigkeiten haben, den Fußball auch im letzten Winkel Ihres Verbandsgebiets weiterzuentwickeln. In einer immer individuelleren Gesellschaft ist Solidarität ein Wert, der in die DNA der UEFA eingraviert ist."

Aleksander Čeferin unterstrich, dass der Fußball ein Sport für das Volk bleiben müsse, und dass die UEFA unter anderem sicherstellen werde, dass die Kosten für Eintrittskarten zu ihren Wettbewerben unter Kontrolle blieben.

"Wir werden unsere Fußballwerte verteidigen", betonte er, "gegen alle Zyniker, Spaßbremsen und Moralisten, und gegen alle Verbitterten, Enttäuschten, Desillusionierten und Angewiderten."

Der UEFA-Präsident sagte, dass der Fußball verbinden und nicht trennen soll. "Sorgen wir dafür, dass der Fußball den Menschen Grund zum Träumen bringt. Fußballer sind Künstler. Sie bringen Licht in die dunklen Räume und Häuser so vieler Menschen weltweit. Sie geben Inspiration. Sie bringen Freude. Sie wachsen über sich hinaus."

"Kurz gesagt: Sie wecken die reinsten, intensivsten Emotionen in uns, in dieser unsicheren, komplizierten, paradoxen Welt, einer immer stärker regulierten und antiseptischen Welt, in der gleichzeitig immer mehr Menschen dem Populismus und der Angst anheimfallen."

"Mit Abermillionen Lizenzspielern und Fans stellen wir die größte soziale Bewegung in Europa dar. In dieser unsicheren Welt, in Gesellschaften, die von Zweifeln durchsetzt sind, tragen wir Verantwortung." 

"Ich sage es noch einmal: Fürchten wir uns nicht. Respektieren und schützen wir alle stets diejenigen, die dem Fußball Tag für Tag, überall auf der Welt Leben einhauchen: die Fans, die Freiwilligen und die junge Generation. Vergessen wir nie, dass sie es sind, um derentwillen wir unsere Zukunftsprojekte verwirklichen müssen ..."