Die Anfänge einer neuen Ära

Die UEFA feiert in diesem Jahr ihr 60-jähriges Jubiläum. Hier blicken wir auf den historischen Moment im Juni 1954, als die UEFA gegründet wurde, zurück und befassen uns mit den Pionieren des neuen europäischen Dachverbands.

Die UEFA-Pioniere - José Crahay, Henri Delaunay und Ottorino Barassi
Die UEFA-Pioniere - José Crahay, Henri Delaunay und Ottorino Barassi ©UEFA

In der Nachkriegszeit waren viele der europäischen Fußballnationalverbände daran interessiert, neben der FIFA-Weltmeisterschaft, den Olympischen Spielen und Freundschaftsspielen mehr Spiele auf internationaler Ebene zu bestreiten.

Ein weiteres wichtiges Ziel war die Schaffung einer gemeinsamen europäischen Fußballvereinigung, um in unterschiedlichen Bereichen Fortschritte erreichen zu können, beispielsweise im Hinblick auf Wettbewerbe, das Schiedsrichter- und Trainerwesen sowie Fernsehübertragungen. Das übergeordnete Ziel war jedoch die Vereinigung der europäischen Nationalverbände unter einem Dachverband zur Förderung von Solidarität und zur Stärkung der Verbände.

Vor diesem Hintergrund begannen drei bedeutende Fußballfunktionäre zu Beginn der Fünfzigerjahre, die entscheidenden Hebel in Bewegung zu setzen: Ottorino Barassi, Präsident des Italienischen Fußballverbands (FIGC), José Crahay, Generalsekretär des Königlichen Belgischen Fußballverbands (URBSFA-KBVB), und Henri Delaunay, Generalsekretär des Französischen Fußballverbands (FFF).

Anfang 1952 brachten Barassi und Crahay die Notwendigkeit der Gründung eines vereinten europäischen Fußballverbands zum Ausdruck. Sie zogen den erfahrenen Delaunay hinzu und feilten ihr Konzept im Rahmen mehrerer Treffen auf europäischer Ebene aus. Nach und nach kamen weitere wichtige Verbündete hinzu, unter anderem Ernst Thommen, Präsident des Schweizerischen Fussballverbands (SFV-ASF), Sir Stanley Rous, Generalsekretär des Englischen Fußballverbands, und Peco Bauwens, Präsident des Deutschen Fußball-Bunds.

Ein entscheidender Tag war der außerordentliche FIFA-Kongress in Paris im Jahr 1953, als der Weltfußballverband die Gründung kontinentaler Verbände genehmigte. Im selben Jahr kamen etwa zwanzig europäische Nationalverbände in Paris zusammen, um über die Strukturen ihres zukünftigen Dachverbandes zu diskutieren. Barassi übernahm den Vorsitz dieser Sitzung, Henri Delaunay fungierte als Schriftführer und Dolmetscher. Die Teilnehmer entschieden sich dafür, Fragebögen an alle europäischen Nationalverbände zu senden.

Das entscheidende Treffen, welches als offizielle Gründung der UEFA gilt, fand am 15. Juni 1954 im Hotel Euler in Basel in der Schweiz statt. Insgesamt nahmen daran 28 Nationalverbände teil, wobei die Tschechoslowakei Rumänien vertrat, dessen Abgeordnete kein Visum erhalten hatten; England vertrat Wales, und die griechischen Gesandten trafen verspätet ein. Die Teilnehmer nahmen folgenden Antrag an: "Die europäischen Nationalverbände entschließen sich definitiv dazu, eine Gruppe besagter Verbände zu gründen, über deren Form noch zu entscheiden ist. Die Versammlung entscheidet [...] die Ernennung eines Ausschusses, welcher die Vereinigung repräsentieren wird. Dieser Ausschuss wird gemeinsam mit dem bisherigen Ausschuss mit dem Verfassen eines endgültigen Entwurfs der Statuten und Reglements betraut. Es soll zu diesem Zweck die zu einem früheren Zeitpunkt eingereichten Projekte berücksichtigen und den endgültigen Entwurf bei der kommenden Generalversammlung vorstellen."

Der beim Treffen in Basel ernannte sechsköpfige Ausschuss setzte sich aus José Crahay, Josef Gerö (Österreich), Sir George Graham (Schottland), Ebbe Schwartz (Dänemark), Gustáv Sebes (Ungarn) und Henri Delaunay zusammen. Bereits am 22. Juni traf sich der neue Ausschuss der bis dato "Gruppe europäischer Verbände" genannten Vereinigung im Schweizerischen Bern. Der Ausschuss wählte ein Büro bestehend aus Ebbe Schwartz, Josef Gerö und Henri Delaunay und entschied, den Nationalverbänden den endgültigen Entwurf der Statuten und Reglements zu unterbreiten.

Am 29. und 30. Oktober 1954 schlug der Ausschuss in Kopenhagen den englischen Namen "Union of the European Football Associations" mit dem Akronym UEFA und als offiziellen Titel die französische Entsprechung "Union des Associations Européennes de Football" vor, welcher den vorigen Vorschlag "Entente européenne" ersetzte. Im Entwurf der Statuten wurde ein Jahresbeitrag von 250 Schweizer Franken festgelegt, zudem wurden der Zweck festgehalten und die jährliche Einberufung einer Generalversammlung, das Stimmrecht (eine Stimme pro Verband) sowie die Zusammensetzung des Exekutivausschusses (acht Mitglieder) verankert. Ferner wurde bestimmt, dass die von der UEFA getroffenen Entscheidungen mit Ausnahme der FIFA- und UEFA-Wahlen nicht bindend für die Nationalverbände seien, sondern den Charakter von Empfehlungen haben sollten.

Der Zweck der UEFA wurde folgendermaßen formuliert: Festlegung einer gemeinsamen Haltung gegenüber der FIFA, Wahl der europäischen FIFA-Vertreter, Organisation einer europäischen Meisterschaft alle vier Jahre sowie Untersuchung aller Fragen bezüglich des Fußballs in Europa.

Nach dem Treffen in Dänemark verfasste Henri Delaunay einen Artikel mit dem Titel "Kann ein Fußballeuropa geschaffen werden?", in dem er seinen Optimismus vor dem Hintergrund der getroffenen Beschlüsse zum Ausdruck brachte: "Das Hauptaugenmerk sollte dabei auf der Idee der Schaffung eines Wettbewerbs liegen, der allen europäischen Verbänden offensteht. Ein dreiköpfiger Ausschuss wurde mit dieser schwierigen Herausforderung betraut, die nicht dazu führen soll, die Zahl der Länderspiele ins Unermessliche zu steigern oder der Weltmeisterschaft zu schaden. [...]"

Der erste UEFA-Kongress fand am 2. März 1955 im Wien statt. Der nunmehr achtköpfige UEFA-Exekutivausschuss wurde von Peco Bauwens und dem Griechen Constantin Constantaras vervollständigt; der leider verstorbene Josef Gerö wurde durch seinen österreichischen Landsmann Alfred Frey ersetzt. Auf der Tagesordnung der ersten großen Versammlung des neuen Fußballverbands standen Fernsehübertragungen, Fußballwetten, Spielpläne und Wettbewerbe sowie die Verabschiedung der ersten offiziellen UEFA-Statuten, die alsdann vom Kongress genehmigt wurden und in Kraft traten.

Im Hinblick auf das Projekt eines europäischen Nationalmannschaftswettbewerbs entschied der Kongress, dass es für ein solches noch zu früh sei und es weiterer Untersuchungen bedürfe. In der französischen Sportzeitschrift L'Équipe war unterdessen vorgeschlagen worden, einen europäischen Klubwettbewerb ins Leben zu rufen. Auf dem Wiener Kongress wurde jedoch entschieden, "zum jetzigen Zeitpunkt nicht dazu berechtigt [zu sein], sich an einem Projekt zu beteiligen, welches direkt die Vereine betrifft".

Und doch sollten beide Wettbewerbsprojekte bereits in nicht allzu ferner Zukunft verwirklicht werden. Die noch junge UEFA hatte die ersten Hürden genommen und es stand ihr eine ereignisreiche Zeit bevor.